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Verhinderter Leserbrief

Dienstag, 24. April 2012

Folgenden Leserbrief habe ich an die Heilbronner Stimme als Antwort auf eine piratenschmähende Polemik des Redakteurs Siegfried Lambert geschickt:

Diebstahl ist der falsche Begriff
Wenn ich jemandem mein Auto gebe, habe ich vorher eine Auto und nachher keines.
Wenn ich jemandem eine MP3-Datei schicke, habe ich vorher eine MP3-Datei und nachher immer noch.
Genau das ist der fundamentale Unterschied zwischen der physikalischen Welt und der Welt der Bits und Bytes. Und dieser Unterschied ist in der Tat wirklich so signifikant und so grundlegend, dass er alleine die Ursache dafür ist, dass die Musikindustrie das große Wehklagen anstimmt und Qualitätsmedien wie die Heilbronner Stimme darauf reinfallen.
Man stelle sich einfach mal vor, wie die Welt funktionieren würde, wenn es ein billiges Gerät gäbe, mit dem man physikalische Objekte beliebiger Größe nachbauen könnte – von der Erdbeere bis zum Wolkenkratzer. Ganz ohne zusätzliche Kosten und ohne dass der ursprüngliche Besitzer etwas davon merkt. Wäre es da sinnvoll, von „Diebstahl“ zu sprechen, wenn man das Auto des Nachbarn kopiert? Ich denke nicht und genau deshalb geht auch der Begriff des „Diebstahls“, wie er in der Polemik von Siegfried Lambert benutzt wurde, völlig an der Realität vorbei.
Zugegeben, das Szenario mag absurd klingen, aber exakt das ist es nunmal, was uns die Computer ermöglicht haben. Das verlustfreie Kopieren von Daten jeglicher Art ist so im Kern jeglicher Computertechnik verankert, dass diese ohne das Kopieren schlicht nicht möglich wäre. Genau das ist es auch, was man verstanden haben muss, um sinnvoll in der Debatte um ein modernisiertes Urheberrecht mitdiskutieren zu können.
Beispiele, dass auch eine „Kostenloskultur“ offensichtlich funktionieren kann, gibt es zuhauf. Oder hat jemals ein Konsument RTL, Pro7 oder Radio Ton Geld dafür gegeben, den Sender einschalten zu dürfen? Wieviel kostet ein Abonnement des Echo am Mittwoch/Sonntag? Was verlangt die Wikipedia als Abrufgebühr für Artikel?
Wer gern weiter über diese Themen diskutieren mag, ist übrigens herzlich eingeladen, unsere Piratentreffs zu besuchen. Der nächste findet am 3. Mai 2012 ab 18:30 Uhr im K2Acht statt und wir freuen uns immer über Gäste.
Nun erreichte mich ein Anruf der Redaktion, dass man diesen Leserbrief nicht abdrucken könnte, weil der Chefredakteur entschieden hat, dass das kein Leserbrief, sondern eine Pressemitteilung sei. Interessante Begründung. Vor allem, da man in der Vergangenheit ja durchaus schon explizit als Pressemitteilung verschickte Texte einfach als Leserbrief abgedruckt hat.

Leserbrief an die Heilbronner Stimme

Freitag, 26. November 2010

Zum Artikel: “Gema fordert von Kindergärten Lied-Gebühr” (25.11.2010)

Neben den im Artikel aufgeführten Lösungen, entweder das knappe Geld direkt oder indirekt der GEMA zukommen zu lassen oder eben auf Lieder zu verzichten, bietet sich noch die Möglichkeit, auf frei verfügbare Notenblätter zurückzugreifen.

Deshalb möchte ich kurz auf zwei Projekte hinweisen, die beide vor einigen Wochen gestartet wurden, als die Geschichte erstmals publik wurde.

Der Verein Musikpiraten e.V. plant, ein Heftchen mit GEMA-freien Weihnachtsliedern herauszugeben. Momentan sind schon 22 Lieder eingereicht worden, wer sich hierzu genauer informieren mag, möge dies unter der Internetadresse http://mkzä.de/581 tun.

Außerdem ist die Webseite http://www.kinder-wollen-singen.de/ gestartet. Dort geht es zwar um alle Arten von Kinderliedern, aber momentan gibt es dort hauptsächlich Noten mit Weihnachtsbezug zum kostenlosen Download und legalen Ausdruck. Da auch hier jeder mitarbeiten darf, ist damit zu rechnen, dass das Angebot schnell noch viel weiter anwachsen wird.

Leserbrief an die Heilbronner Stimme

Donnerstag, 3. Juni 2010

Zum Artikel: „Aufregung um Kamera-Quad“ (1.6.2010)

Da fährt ein von der Stadt beauftragtes Gefährt durch die Gegend, um Straßenschäden zu dokumentieren und der HSt fällt nichts besseres ein, als die diffuse Angst der Bevölkerung vor dem angeblich so bösen Google StreetView zu schüren.

Anstatt zum Beispiel die großen Datenkraken Bertelsmann, GEZ, Payback, ELENA oder wie sie alle heißen, einer ähnlich kritischen Berichterstattung zu unterziehen, wird hier nicht gerade subtil Politik gemacht. Man hat Google durch entsprechende Berichterstattung als großen, dunklen Bösewicht positioniert, lenkt von anderen Problematiken ab und stellt sich selbst als Datenschützer dar.

Dass im kommenden Jahr eine Volkszählung stattfinden soll, das wurde 2010 satte 2 Mal in der HSt erwähnt. Beim Zensus 2011 wird eklatant gegen das 1983 ausformulierte Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung verstoßen und teils hochsensible Daten werden zusammengetragen – zum Beispiel komplette Datensätze von Teilnehmern in Zeugenschutzprogrammen mit entsprechendem Hinweis! All das wird nicht thematisiert, sondern ignoriert und totgeschwiegen.

Aber gut, dann müssen eben ein weiteres Mal junge politische Kräfte wie der AK Zensus oder die Piratenpartei auf die Straßen gehen und die Informationsarbeit machen, bei der die sich gern als „traditionell“ bezeichnenden Medien bisher so kläglichst versagt haben.