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Ein Gedankenexperiment

Sonntag, 24. Januar 2010

[Dieser Eintrag ist im Wesentlichen ein leicht überarbeiteter Repost eines meiner Beiträge aus dem alten elBloggo]

Man stelle sich einen Raum vor. In diesem Raum befindet sich ein Billardtisch (komplett mit Kugeln, Queue usw.) und ein Roboter, der Billard spielen kann.

Der Roboter ist programmiert, eine Billard-Startaufstellung aufzubauen und mit der weissen Kugel kräftig in Richtung des Dreicks zu hauen. Dabei variiert er Dinge wie Stoßstärke, Richtung und Anspielpunkt auf der weissen Kugel innerhalb gewisser Grenzen. Diese Variation geschieht aufgrund von Pseudozufallszahlen, ist also prinzipiell determiniert. Nach seinem Stoss baut er wieder die Startaufstellung auf und beginnt von Neuem.

Eine Besonderheit hat der Tisch noch: Jedesmal, wenn ein Ball in ein Loch gespielt wird, gibt der Tisch einen laut und deutlich vernehmbaren Piepston von sich.

Nun bitte ich darum, diesen Raum einstweilen zu vergessen und stattdessen eine Gedankenwelt zu entwerfen. Diese Welt funktioniert im Wesentlichen wie unsere hier, es gibt nur 2 Ausnahmen: Es existiert ein mysteriöser Raum, in den niemand reinschauen kann (auch nicht mit Röntgenstrahlung, Ultraschall oder sonstwas), dessen einziges Lebenszeichen ist, dass aus dem Inneren immer wieder Piepstöne nach aussen dringen. Der andere Unterschied zu unserer Welt ist: Billard wurde nie erfunden, nie gespielt, ist völlig unbekannt.

Natürlich ist dieser mysteriöse Piepsraum im Vergleich zur restlichen Welt recht klein, so hat es auch eine ganze Weile gedauert, bis die ersten Menschen ihn entdeckt haben. Als dies aber dann geschah, waren die Menschen fasziniert. Nungut, Lieschen Müller eher nicht. Aber Physiker, Mathematiker, Knobler aus allen Teilen der Welt kamen den Raum besuchen, um eigene Messungen durchzuführen und eigene Theorien aufzustellen. Manche dieser Theorien waren recht einfach gestrickt, manche waren gigantische Theoriegebilde. Viele Bücher haben sich mit diesem mysteriösen Raum beschäftigt, gemeinsam hatten sie eines: Keine dieser Theorien war richtig, denn der Raum – der werte Leser ahnte es vermutlich schon recht schnell – war der Raum, den wir im ersten Teil dieses Blogeintrags betrachtet haben.

Nachdem man eingesehen hat, dass dem Raum mit deterministischen Mitteln nicht beizukommen war, hat man sich bei der Erforschung auf probabilistische Mittel verlegt. Viele Messreihen hat man durchgeführt, sie wahrscheinlichkeitstheoretisch ausgewertet und die Forschungsergebnisse auf eine Kenngröße eingedampft: die sogenannte Halbpiepszeit – die Zeitspanne, nach der mit einer 50%igen Wahrscheinlichkeit ein Piepston aus dem Raum nach aussen drang.

Spätestens jetzt werden zumindest die physikalisch vorgebildeten Leser wissen, worauf ich mit meinem Gedankenexperiment hinauswill. Dem Rest werde ich in einem späteren Blogeintrag erklären, was dieses Gedankenexperiment (das ab sofort der Einfachheit halber nur noch als „elzoidos billardspielender Roboter“ in der entsprechenden Fachliteratur erwähnt werden sollte) mit Radioaktivität, Heisenberg, dem Freien Willen und dem fliegenden Spaghettimonster zu tun hat.