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#JedenTagEinAntrag Random Edition: GP011

Samstag, 9. November 2013

Dies ist ein Blogposting im Rahmen der Aktion #JedenTagEinAntrag (Inhaltsverzeichnis). Ich will versuchen, mir bis zum Bundesparteitag der Piratenpartei am 30. November in Bremen an jedem Tag einen von einem Zufallsgenerator ausgewählten Antrag vorzunehmen. 

Achtung: Ich übertreibe gern und meine Analysen können gelegentlich oberflächlich sein. Sollte ich bei dem einen oder anderen Beitrag irgendeinen grundsätzlichen Aspekt nicht bedacht oder gar erkannt haben, bitte ich um Rückmeldung.

Heute:

GP011 – Neufassung Grundsatzprogramm Abschnitt Bildung

Inhalt des Antrags

Der Antragsteller Masch will den derzeit im Grundsatzprogramm stehenden Abschnitt „Bildung“ bis auf eine kleine Ausnahme wortgleich im Grundsatzprogramm stehen haben.

Meine Gedanken dazu

Ja, richtig gelesen. Das, was im Grundsatzprogramm steht, soll ins Grundsatzprogramm mit einer recht kleinen inhaltlichen Veränderung.

Ich zitiere aus der Antragsbegründung: »Der Abschnitt Bildung im Grundsatzprogramm der Piratenpartei Deutschland ist nach Kenntnis der Antragsteller – so das Ergebnis intensiver Recherche in erreichbaren Protokollen – nicht von den Mitgliedern eines Bundesparteitags der Piratenpartei Deutschland beschlossen worden.«

Nun, mich hat es von der Wikiseite des Parteiprogramms 4 gezielte Klicks und 3 Seitenwechsel gekostet, um im Protokoll des BPT09 in Hamburg an der richtigen Stelle zu landen. Ganz so intensiv kann die Recherche also irgendwie nicht gewesen sein.

Und die eine inhaltliche Änderung zum bisher gültigen Text (KiTa-Plätze soll es künftig nicht erst ab dem dritten Geburtstag, sonden schon ab der Geburt geben), halte ich für demaßen kosmetisch, dass die Änderung nicht unbedingt sein muss.

Fazit (tl;dr)

Zustimmung schadet nicht, nützt aber auch nichts.

Ein paar Gedanken zum Bildungsteil des Ludwigsburger Wahlprogrammvorschlags

Sonntag, 28. März 2010

[Vorweg: Alle Links, Zitate und Anmerkungen beziehen sich auf die Version vom 28. März 2010, 04:26 Uhr]

Der Ludwigsburger Piratenstammtisch hat sich die letzten Wochen zusammengesetzt und einen Vorschlag für ein Wahlprogramm für die 2011 anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg erarbeitet.

Warum man nicht lieber die Arbeit der AG Landespolitik BW unterstützt hat, um doppelte Arbeit zu vermeiden, hat mir bisher auch noch niemand erklären können, ohne mit trotzigem Aufstampfen zu reagieren – mein persönliches Begründungshighlight kam von einer dort mitarbeitenden Piratin, dass sie ja nicht jeder an den Terminen der Klausurtagungen Zeit hätte. Applaus ist hier angebracht.

Gut – wäre hier jetzt ein komplett sinnvolles Werk mit rotem Faden herausgefallen, wär das ja alles halb so schlimm. Aber ein paar Worte von mir als potentiellem Landtagskandidaten zu ausgewählten Punkten, die dort unter „Bildung“ laufen, will ich mir nicht verkneifen.

Schulen demokratisieren

Selbstbestimmung der Schule durch das Lehrerkollegium und Mitbestimmungsrecht der Schüler schafft faire Machtstrukturen.

An die demokratischen Entscheidungen des Kollegiums ist auch der Rektor gebunden. Die Schülermitverwaltung muss in Schülermitbestimmung umgestaltet werden, um eine Teilhabe an Entscheidungen zu ermöglichen. Bestehende Gesetze und Bildungspläne müssen selbstverständlich weiterhin eingehalten werden.

Inwiefern das Kollegium gegenüber dem Rektor stärker gestellt sein sollte, kann ich nicht abschätzen, man sollte hier aber auf jeden Fall bedenken, dass Lehrerzimmer im Allgemeinen eher keine intrigenfreie Zone sind. Oft ist die Hackordnung recht klar und nicht unwesentlich durch das Beamtengesetz geprägt.

Was mich hier eher interessieren würde, wo und bei was die Schüler mitentscheiden sollten.

Attention, students, this is Principal Skinner, your principal, with a message from the principal’s office. Report immediately for an assembly in the Butthead Memorial Auditorium. [to himself] Damn it, I wish we hadn’t let the students name that one.

The Simpsons – 2F05 – Lisa on Ice

Man kann das drehen, wenden, nichtgutfinden wie man will, aber Schüler sind im Allgemeinen Kinder und auch noch so viel Verantwortung wird einen 15-jährigen nicht am Kichern hindern, wenn er das Wort „Tittenmaus“ hört. Natürlich: demokratische Verantwortung muss man lernen, aber man muss hier sehr vorsichtig sein, nicht zu weit zu gehen. Ich erinnere mich an meine Schulzeit zurück, wo wir Schüler demokratisch über den Namen eines an die Schule gespendeten Baumes entscheiden sollten. Der Name „Röntgengerät“ war, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, am Ende zumindest ganz oben mit dabei. Noch weiter zu gehen und Schüler über Dinge mitentscheiden zu lassen, die am Ende noch wesentliche Kosten verursachen können, ist hier hoffentlich nicht nur für mich indiskutabel.

Gemeinsamer Unterricht von 1. bis 9. Klasse durch Gemeinschaftsschulsystem

Statt des dreigliedrigen Schulsystems sollen Schüler ohne Selektion miteinander und voneinander lernen.

Die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems muss in Schritten, aber ausnahmslos stattfinden, unabhängig von der Schulform und Region. Behinderte Schüler sind durch die Umsetzung der UN-Behindertenkonvention zu integrieren. Alle Schüler lernen gemeinsam und solidarisch bis zum Ende der neunten Klasse. Die individuelle Förderung der Schüler steht durch Differenzierung im Unterricht und bei der Umsetzung der Lehrpläne im Vordergrund. Leistungsdruck und Schulstress verringern sich, Schüler sind aus Freude am Wissen und Lernen motiviert. Ein Schulabschluss ist nach der neunten, zehnten oder mit Abitur nach der zwölften Klasse möglich. Ab der zehnten Klasse findet der Unterricht im für die Sekundarstufe II bewährten Kurssystem statt.

Dieser Absatz scheint direkt aus einem Paralleluniversum zu stammen. Und zwar aus dem, wo auch der Kommunismus funktioniert, weil alle Menschen gleich sind.

Kinder sind und bleiben unterschiedlich schlau, lernen unterschiedlich schnell und sind unterschiedlich begabt. Jeder Vorschlag, der diese grundsätzlichen Wahrheiten durch gutmenschliches Geschwafel wortreich wegzudefinieren versucht, ist absolut, völligst, zu 100% indiskutabel. Die schlaueren Schüler würden durch Langeweile extrem demotiviert, die weniger schlauen Schüler würden im Zweifelsfall nicht ordentlich mitkommen und durch daraus folgende schlechte Ergebnisse ebenso demotiviert.

Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich vermute, dass dieser Vorschlag von jemandem gemacht wurde, der noch nie Praxiserfahrung als Lehrkraft an einer Schule gemacht hat? Ich tippe auf eine 21-jährige Philosophie-, Soziologie- oder Pädagogikstudentin…

Das Wahlprogramm NRW ist hier an dieser Stelle übrigens in meinen Augen schon sehr viel weiter. Dort ist zwar vor allem die Finanzierungsfrage bzw. ob sich der Aufwand lohnen könnte, eher ungeklärt, aber durch ein konsequentes Kurssystem zeigt es zumindest in eine prinzipiell realistisch umsetzbare und visionäre Richtung.

Notengebung erst ab der siebten Klasse

Spaß am Lernen statt Konkurrenzdenken und individuelle Rückmeldung statt Demotivation durch Notenvergabe.

Finnland hat es erfolgreich vorgemacht. Da Noten erst ab der 7. Klasse vergeben werden, entsteht kein Konkurrenzdruck unter den Schülern, was ihrer Lernleistung zu Gute kommt. Jeder Schüler bekommt eine ausformulierte konstruktiv-informierende Bewertung, die sich an seinen Möglichkeiten orientiert und ihn in seinen Leistungen fördert.

Eine Folgeforderung könnte hier dann ein absoluter Kündigungsschutz für Lehrlinge sein, um die armen, zarten Pflänzchen beim Einstieg in die Berufswelt nicht zu überfordern.

Will sagen: Wer meint, sein Kind sei zu instabil um mit dem Notendruck klarzukommen, darf es gerne nach wie vor an eine Waldorfschule schicken. Aber ich möchte für meine (momentan imaginären) Kinder gerne die Wahl haben, ob ich ihnen diesen anthroposophischen und in meinen Augen weltfremden Blödsinn zumuten mag oder nicht. Und weiterhin bin ich der Meinung, dass Waldorfpädagogik, wenn überhaupt, die Ausnahme sein sollte und keinesfalls die Regel.

Ach ja, und allgemein: Das Wort „Finnland“ hat in einer Begründung für eine Schulreform nichts verloren. Hier lauert wieder die alte Falle vom Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation, die wir Piraten den anderen Parteien nur zu gerne (und das zu Recht) um die Ohren hauen.

Mehr Nutzung von freier Software und freien Inhalten

Freie Software ist kostengünstiger für Schulen und Eltern. Der Zugang ist damit in jedem Haushalt mit Computer gesichert.

Obwohl Lernmittelfreiheit besteht, wälzen Schulen Kosten auf Eltern und Schüler um, zum Beispiel bei der Anschaffung von Atlanten. Die Nutzung von freien bzw. kostenlosen Online-Angeboten und Software spart diese Kosten ohne Nachteile für die Schüler.

Die Lernmittelfreiheit ist ein sehr guter Punkt, der auf jeden Fall im Landesprogramm erwähnt werden sollte, aber das Beispiel hier ist nicht ganz so toll gewählt. Ein Buch aufzuschlagen und darin zu blättern, ist einfach ein ganz anderes Erlebnis, als wenn ich auf der Wikipedia oder in Google Maps und Konsorten umhersurfe.

So, das soll es einstweilen gewesen sein. Sollten mir noch weitere Gedanken kommen, nachdem ich den Rest des Wahlprogrammvorschlags gelesen habe, werde ich nicht zögern, diese hier zu veröffentlichen.