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Warum ich nicht für die Landesliste kandidiere

Samstag, 4. August 2012
Weil ich jetzt schon mehrfach gefragt wurde, möchte ich kurz (Ja, ich weiß) meine Gedanken zusammenfassen.

Familie

Das ist übrigens der Hauptgrund, der bei mir den endgültigen Ausschlag gegeben hat.

Wie der eine oder andere vielleicht mitbekommen hat, bin ich relativ frisch verheiratet. Meine Frau ist hier im Ort sehr verwurzelt, was uns im Falle meiner Wahl in den Bundestag vor folgende Alternativen stellen würde:

Wir ziehen beide nach Berlin

Keine ernsthaft in Betracht zu ziehende Option. Zumindest meine Frau hätte massive Probleme, wenn sie z.B. nicht mal spontan ihre Schwester auf einen Kaffee besuchen könnte.

Nur ich ziehe nach Berlin

Zumindest an Sitzungstagen wäre ich somit unter der Woche überhaupt nicht bei meiner Frau, an Wochenenden je nach Arbeitsaufkommen auch nicht unbedingt. Das sind keine Idealbedingungen für eine junge Ehe.

Noch dazu möchte ich die Möglichkeit, nicht ausschließen, dass es irgendwann in den nächsten 5 Jahren Nachwuchs geben könnte. Falls das passiert, würde ich den dann auch gern live und nicht nur per Webcam aufwachsen sehen.

Ein Dauerorkan aus Scheiße

Die Diskussionskultur, gerade auf Bundesebene, ist absolut widerlich. Auch wenn ich mich für relativ shitstormresistent halte (Zugegeben, ich hab noch nie einen in voller Stärke abbekommen), hab ich doch keine Lust drauf, mich wegen jeder Kleinigkeit von irgendwelchen besserwissenden Schwarmlemmigen (Danke an @Fussfall für das Wort *g*) ankacken zu lassen.

Wenn man mitkriegt, mit welchen Mitteln so manche Piratte schon bei relativ kleinen Skandälchen arbeitet (es gab wohl durchaus wegen Kleinkram schon nächtliche Daueranrufe, aufgestochene Reifen und sonstige sympathischen Aktionen), dann will ich gar nicht wissen, was mich erwartet, wenn ich es zum Beispiel wagen würde, in Berlin mit einem anderen Abgeordneten ein Bier zu trinken, ohne einen Livestream mit Bild und Ton ins Internet zu werfen.

Daily Soap

Die Intrigendichte wird gewaltig zunehmen. Die Lügner, die Opportunisten, die Doppelgesichter, die Neider und die Schleimspurhinterlasser werden sich auf uns stürzen wie die Geier aufs Aas. Das tun sie ja teilweise jetzt schon und das wird nicht besser werden, wenn wir mal Abgeordnete im Bundestag haben.

Auch unsere Piratenfraktion wird sich gegenseitig angiften und mobben. Man darf sich ruhig nochmal anschauen, was in Berlin kurz nach der Wahl so lief. Gezanke um die Büros und um die Ausschüsse. Mobbing um den Fraktionsvorsitz. Und jetzt stelle man sich die Situation vor, wenn sich die gewählten Abgeordneten einerseits nicht so gut kennen und andererseits jeder Versuch, zumindest gefühlte Ordnung in den Laden zu bringen, grundsätzlich mindestens als Ermächtigungsgesetz gesehen wird.

Gefühlte Sinnlosigkeit

Wir Piraten treten an, um frischen Wind in die verkrusteten Strukturen zu bringen.

Wir werden in den Bundestag einziehen. Wir werden versuchen, piratige Politik machen und Akzente zu setzen. Wir werden mehr als einmal die Köpfe so hart gegen die Tischplatte prallen lassen, dass uns die Stirn blutet.

Wir werden NICHT in einer Legislaturperiode genügend andere Abgeordneten zum Umdenken bringen. Wir werden es NICHT schaffen, dass die freie Ausübung des Mandats vom Sonderfall (z.B. bei der PID-Debatte) zum Normalfall wird. Wir werden es NICHT schaffen, dass auch nur ein Parlamentarier einer anderen Partei seine Meinung ändert, weil ein Pirat eine großartige Rede gehalten hat.

Wir können hoffen, kleine Erfolge zu feiern: Wenn wir es schaffen, die unsägliche Praxis zu stoppen, dass Reden nur zu Protokoll gegeben und nichtmal gehalten werden, könnten wir uns freuen. Wenn die „etablierten“ Parteien anfangen würden, die Würde des Parlaments zu achten und beispielsweise bei allen Abstimmungen und Debatten möglichst vollzählig anwesend wären, wäre das auch ein kleiner Sieg.

Unsere Piratenabgeordneten werden sich mehr als einmal die Sinnfrage stellen. Viele, wenn nicht alle, werden mit der Zeit immer frustrierter und verbitterter werden.

Wer keinen verdammt langen Atem hat, wer sich nicht zutraut, 4 Jahre lang immer und immer wieder gegen die selben Betonwände zu rennen, in der unrealistischen Hoffnung, dass sich irgendwann eventuell mal ein kleiner Riss bildet, der hat meiner Meinung nach als Pirat, zumindest in unserer ersten Legislaturperiode, im Bundestag nichts verloren.

Ich bin kein solcher Sisyphos und ich wills auch nicht werden.

Meine Piratenwochen KW 37/2011 und 38/2011

Sonntag, 25. September 2011

Arbytesbedingt war mal wieder wenig Zeit für piratige Aktivitäten. Das wird sich auch im Oktober vermutlich nicht wesentlich bessern. Aber dann!

Berlin!

Im Heilbronner Piratenblog hab ichs ja schon geschrieben: Glückwunsch an die Berliner Piraten! Das war ein wichtiger und deutlicher Schritt nach vorne – jetzt wirds ernst. Und wenn jetzt die Karten richtig ausgespielt werden, sieht es die Stimmung auch sehr positiv aus für einen Bundestagseinzug 2013. Aber bevor ich Zukunftpläne spinne, schaue ich erstmal sehr interessiert nach Berlin.

Vorstandsorganisation

Die Geschäftsordnung des Vorstands war schon lange überfällig. In einem Piratenpad lag mein Entwurf auch schon eine ganze Weile rum, aber bis zuletzt hatte ich Hoffnung, dass wir das auf einer Reallife-Sitzung verabschieden können. Nunja, der Zug scheinst durch einen alsbald anstehenden Umzug erstmal abgefahren zu sein, weshalb die Geschäftsordnung nun halt per Mail und Umlaufbeschluss genehmigt werden soll.

Da Umlaufbeschlüsse sowieso bei uns relativ wichtig werden werden, bin ich gerade dabei, ein kleines Tool zu schreiben, um den Umgang damit zu vereinfachen.

Infotisch und Pressearbeit

Samstag, 24.09. war wieder ein Infotisch in Heilbronn (und auch sonst so ziemlich überall bundesweit). Im Zuge des Berliner Wahlsieges wollten wir uns gerne präsentieren – haben wir doch direkt nach der Wahl schon deutlich gespürt, dass das Interesse der Medien und Bevölkerung exorbitant angestiegen ist.

Im Rahmen des Infostandes war auch ein Fotograf und ein Redakteur der Heilbronner Stimme vor Ort. Der daraus entstandene Bericht ist auch schon online und wird wohl Montag auch in der Printausgabe erscheinen. Ganz korrekt wurde ich nicht wiedergegeben (und stellenweise auch deutlich aus dem Kontext gerissen), aber damit muss ich wohl leben.

Meine Piratenwoche KW36/2011

Sonntag, 11. September 2011

Außer dem Besuch des Stammtisches in Heilbronn gab es diese Woche wenig bis nichts Berichtenswertes. Deshalb gibt es hier an der Stelle ein paar allgemeinere Betrachtungen.

Kommunalwahlen in Niedersachsen

Glückwunsch an Svante Evenburg, OB-Kandidat der Piraten in Wolfsburg. Mit respektablen 4,7% hat es für ihn zwar nicht für die Wahl zum OB gereicht, aber das drittbeste Ergebnis (von 5 zur Wahl stehenden) und noch vor dem FDP-Kandidaten.

Leider nicht ganz so erfolgreich war Rainer Büschner in Wilhelmshaven, ihm hat es leider nur für 1,7% gereicht, hier konnten fast alle Gegenkandidaten ein besseres Ergebnis einfahren. Das Feld war mit 9 Kandidaten allerdings auch um einiges größer.

Auch bei diversen weiteren Wahlen zu Stadt-/Gemeinderäten waren die Ergebnisse nicht schlecht. Endgültig kann man zwar noch nichts sagen, weil offenbar noch nicht überall fertig ausgezählt ist, aber der Trend, dass Piraten immer mal wieder bessere Ergebnisse als die FDP einfahren, scheint erkennbar zu sein.

Piraten auf Parlamentskurs 

Nächste Woche gibt es nochmal Wahlen. Diesmal in der Piratenhochburg Berlin. Es wird das Abgeordnetenhaus neu gewählt. Und vieles deutet immer mehr darauf hin, dass hier Piratengeschichte geschrieben werden kann. Die Berliner Piraten werden inzwischen in einigen Umfragen schon über der 5%-Hürde gehandelt und auch in den Tagesthemen konnte man sich schon über einen eigenen Balken mit 6,5% freuen.

Man soll ja das Fell nicht verteilen, bevor der Bär erlegt ist, aber: Toi Toi Toi! Viel Erfolg an alle Piraten, die mit aller Macht den Berlinern in der letzten Wahlkampfwoche helfen werden, hier für einen Paukenschlag zu sorgen.