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Meine Piratenwoche KW 22/2011

Sonntag, 5. Juni 2011

Um mal wieder ein wenig Leben hier ins Blog zu bringen, will ich versuchen, mehr oder weniger regelmäßig allgemein etwas über die Piraten zu schreiben. Momentan plane ich, so ungefähr wöchentlich zu einer handvoll Themen jeweils ein paar knappe Worte zu schreiben. Das kann jeweils der Versuch einer objektiven Beobachtung sein, aber auch ein Kommentar oder gar eine wilde Schimpferei. Ausdrücklich behalte ich mir vor, meine Meinung zu einzelnen Themen nach weiterem Nachdenken zu ändern. Außerdem ist das hier sowieso äußerst subjektiv und inwiefern ich es schaffe, regelmäßige Beiträge zu schreiben, mag ich auch nicht garantieren :)

Saftige Kumquat

Ein paar Piraten aus der Ecke um Mannheim haben sich die innerparteilich eingesetzte Software Liquid Feedback angeschaut und beschlossen, dass das mit dem derzeitigen Userinterface so mal sowas von überhaupt nicht geht. Piraten, die sich da mal eingeloggt haben, wissen warum. Und weil unkonstruktiv meckern zu einfach ist, hat man auch schon einen Twitter-Account und ein Blog angelegt, sowie schon grundsätzliche Ideen aufgeschrieben und angefangen, Mockups zu veröffentlichen. Weiter so, ich bin sehr gespannt, was da noch alles kommt.

Kompass

Für manche Piraten mag das schon aaaalt sein, aber ich hab nunmal erst jetzt die erste Ausgabe der piratennahen Zeitung Kompass in der Hand. Mein erster Eindruck ist nicht schlecht. Allerdings habe ich nach ein wenig Querlesen den Eindruck, dass es der Zeitung gut getan hätte, wenn da ein erfahrener Redakteur kompetent mit einem Rotstift die Texte deutlich gekürzt, sowie einige stilistische Schwächen ausgebessert hätte. Auch dass zwei Artikel in dreispaltigem Layout und der Rest der Zeitung vierspaltig gehalten ist, hat mich ein wenig irritiert. Aber das sind sicherlich nur Anlaufschwierigkeiten eines an und für sich sehr tollen Projektes.

Landesparteitag Baden-Württemberg

Samstag nach längerer Pause hab ich mal wieder einen Parteitag besucht (mein voriger war der BPT in Bingen). In Kehl, kurz vor Fronkreisch, wurde am 4. Juni also auf dem Landesparteitag 2011.1 hauptsächlich ein neuer Landesvorstand gewählt. Zumindest mit relevant großen Anteilen des neuen Landesvorstandes kann ich sehr gut leben, aber warum der Landesparteitag ausgerechnet jemanden zum Politischen Geschäftsführer gewählt hat, der in der jüngeren Vergangenheit dadurch aufgefallen ist mit Anlauf und Arschbombe in ein braunes Fettnäpfchen zu hüpfen, das mag mir die Weisheit der Massen nochmal bei einem Bierchen erklären. Aber gut, drücken wir halt die Daumen, dass das solche Peinlichkeiten nicht auch mit offiziellem Mandat vorkommen.

Landesparteitag Thüringen

Auch in Erfurt fand am 4. Juni ein Landesparteitag statt. Die einzige Entscheidung, die ich hier kommentieren will (und was mir spontan heftig die Hand vors Gesicht trieb), war die Abschaltung der Landesinstanz von Liquid Feedback. Man kann die Argumentation des Antrags ja zwar schon irgendwie nachvollziehen, ich halte es trotzdem für einen schlechten Weg, nach nur einem Jahr das Tool einfach abzuschalten, ohne gleichzeitig eine brauchbare Alternative für die Programmentwicklung anzubieten. Noch dazu, wenn mit der oben erwähnten Saftigen Kumquat in nicht allzufernen Zukunft durchaus gute Impulse in Richtung Benutzbarkeit kommen können.

CreWho

Offenbar bin ich nun tatsächlich Mitglied in einer Piratencrew! Und als erste Amtshandlung werde ich nun erstmal aufhören, hier ins Blog zu schreiben und anfangen, einen leider nicht ganz so kleinen Stapel von noch nicht geschauten Folgen des britischen Science-Fiction-Dauerbrenners Doctor Who abzubauen.

Ein paar Gedanken zum Bildungsteil des Ludwigsburger Wahlprogrammvorschlags

Sonntag, 28. März 2010

[Vorweg: Alle Links, Zitate und Anmerkungen beziehen sich auf die Version vom 28. März 2010, 04:26 Uhr]

Der Ludwigsburger Piratenstammtisch hat sich die letzten Wochen zusammengesetzt und einen Vorschlag für ein Wahlprogramm für die 2011 anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg erarbeitet.

Warum man nicht lieber die Arbeit der AG Landespolitik BW unterstützt hat, um doppelte Arbeit zu vermeiden, hat mir bisher auch noch niemand erklären können, ohne mit trotzigem Aufstampfen zu reagieren – mein persönliches Begründungshighlight kam von einer dort mitarbeitenden Piratin, dass sie ja nicht jeder an den Terminen der Klausurtagungen Zeit hätte. Applaus ist hier angebracht.

Gut – wäre hier jetzt ein komplett sinnvolles Werk mit rotem Faden herausgefallen, wär das ja alles halb so schlimm. Aber ein paar Worte von mir als potentiellem Landtagskandidaten zu ausgewählten Punkten, die dort unter „Bildung“ laufen, will ich mir nicht verkneifen.

Schulen demokratisieren

Selbstbestimmung der Schule durch das Lehrerkollegium und Mitbestimmungsrecht der Schüler schafft faire Machtstrukturen.

An die demokratischen Entscheidungen des Kollegiums ist auch der Rektor gebunden. Die Schülermitverwaltung muss in Schülermitbestimmung umgestaltet werden, um eine Teilhabe an Entscheidungen zu ermöglichen. Bestehende Gesetze und Bildungspläne müssen selbstverständlich weiterhin eingehalten werden.

Inwiefern das Kollegium gegenüber dem Rektor stärker gestellt sein sollte, kann ich nicht abschätzen, man sollte hier aber auf jeden Fall bedenken, dass Lehrerzimmer im Allgemeinen eher keine intrigenfreie Zone sind. Oft ist die Hackordnung recht klar und nicht unwesentlich durch das Beamtengesetz geprägt.

Was mich hier eher interessieren würde, wo und bei was die Schüler mitentscheiden sollten.

Attention, students, this is Principal Skinner, your principal, with a message from the principal’s office. Report immediately for an assembly in the Butthead Memorial Auditorium. [to himself] Damn it, I wish we hadn’t let the students name that one.

The Simpsons – 2F05 – Lisa on Ice

Man kann das drehen, wenden, nichtgutfinden wie man will, aber Schüler sind im Allgemeinen Kinder und auch noch so viel Verantwortung wird einen 15-jährigen nicht am Kichern hindern, wenn er das Wort „Tittenmaus“ hört. Natürlich: demokratische Verantwortung muss man lernen, aber man muss hier sehr vorsichtig sein, nicht zu weit zu gehen. Ich erinnere mich an meine Schulzeit zurück, wo wir Schüler demokratisch über den Namen eines an die Schule gespendeten Baumes entscheiden sollten. Der Name „Röntgengerät“ war, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, am Ende zumindest ganz oben mit dabei. Noch weiter zu gehen und Schüler über Dinge mitentscheiden zu lassen, die am Ende noch wesentliche Kosten verursachen können, ist hier hoffentlich nicht nur für mich indiskutabel.

Gemeinsamer Unterricht von 1. bis 9. Klasse durch Gemeinschaftsschulsystem

Statt des dreigliedrigen Schulsystems sollen Schüler ohne Selektion miteinander und voneinander lernen.

Die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems muss in Schritten, aber ausnahmslos stattfinden, unabhängig von der Schulform und Region. Behinderte Schüler sind durch die Umsetzung der UN-Behindertenkonvention zu integrieren. Alle Schüler lernen gemeinsam und solidarisch bis zum Ende der neunten Klasse. Die individuelle Förderung der Schüler steht durch Differenzierung im Unterricht und bei der Umsetzung der Lehrpläne im Vordergrund. Leistungsdruck und Schulstress verringern sich, Schüler sind aus Freude am Wissen und Lernen motiviert. Ein Schulabschluss ist nach der neunten, zehnten oder mit Abitur nach der zwölften Klasse möglich. Ab der zehnten Klasse findet der Unterricht im für die Sekundarstufe II bewährten Kurssystem statt.

Dieser Absatz scheint direkt aus einem Paralleluniversum zu stammen. Und zwar aus dem, wo auch der Kommunismus funktioniert, weil alle Menschen gleich sind.

Kinder sind und bleiben unterschiedlich schlau, lernen unterschiedlich schnell und sind unterschiedlich begabt. Jeder Vorschlag, der diese grundsätzlichen Wahrheiten durch gutmenschliches Geschwafel wortreich wegzudefinieren versucht, ist absolut, völligst, zu 100% indiskutabel. Die schlaueren Schüler würden durch Langeweile extrem demotiviert, die weniger schlauen Schüler würden im Zweifelsfall nicht ordentlich mitkommen und durch daraus folgende schlechte Ergebnisse ebenso demotiviert.

Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich vermute, dass dieser Vorschlag von jemandem gemacht wurde, der noch nie Praxiserfahrung als Lehrkraft an einer Schule gemacht hat? Ich tippe auf eine 21-jährige Philosophie-, Soziologie- oder Pädagogikstudentin…

Das Wahlprogramm NRW ist hier an dieser Stelle übrigens in meinen Augen schon sehr viel weiter. Dort ist zwar vor allem die Finanzierungsfrage bzw. ob sich der Aufwand lohnen könnte, eher ungeklärt, aber durch ein konsequentes Kurssystem zeigt es zumindest in eine prinzipiell realistisch umsetzbare und visionäre Richtung.

Notengebung erst ab der siebten Klasse

Spaß am Lernen statt Konkurrenzdenken und individuelle Rückmeldung statt Demotivation durch Notenvergabe.

Finnland hat es erfolgreich vorgemacht. Da Noten erst ab der 7. Klasse vergeben werden, entsteht kein Konkurrenzdruck unter den Schülern, was ihrer Lernleistung zu Gute kommt. Jeder Schüler bekommt eine ausformulierte konstruktiv-informierende Bewertung, die sich an seinen Möglichkeiten orientiert und ihn in seinen Leistungen fördert.

Eine Folgeforderung könnte hier dann ein absoluter Kündigungsschutz für Lehrlinge sein, um die armen, zarten Pflänzchen beim Einstieg in die Berufswelt nicht zu überfordern.

Will sagen: Wer meint, sein Kind sei zu instabil um mit dem Notendruck klarzukommen, darf es gerne nach wie vor an eine Waldorfschule schicken. Aber ich möchte für meine (momentan imaginären) Kinder gerne die Wahl haben, ob ich ihnen diesen anthroposophischen und in meinen Augen weltfremden Blödsinn zumuten mag oder nicht. Und weiterhin bin ich der Meinung, dass Waldorfpädagogik, wenn überhaupt, die Ausnahme sein sollte und keinesfalls die Regel.

Ach ja, und allgemein: Das Wort „Finnland“ hat in einer Begründung für eine Schulreform nichts verloren. Hier lauert wieder die alte Falle vom Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation, die wir Piraten den anderen Parteien nur zu gerne (und das zu Recht) um die Ohren hauen.

Mehr Nutzung von freier Software und freien Inhalten

Freie Software ist kostengünstiger für Schulen und Eltern. Der Zugang ist damit in jedem Haushalt mit Computer gesichert.

Obwohl Lernmittelfreiheit besteht, wälzen Schulen Kosten auf Eltern und Schüler um, zum Beispiel bei der Anschaffung von Atlanten. Die Nutzung von freien bzw. kostenlosen Online-Angeboten und Software spart diese Kosten ohne Nachteile für die Schüler.

Die Lernmittelfreiheit ist ein sehr guter Punkt, der auf jeden Fall im Landesprogramm erwähnt werden sollte, aber das Beispiel hier ist nicht ganz so toll gewählt. Ein Buch aufzuschlagen und darin zu blättern, ist einfach ein ganz anderes Erlebnis, als wenn ich auf der Wikipedia oder in Google Maps und Konsorten umhersurfe.

So, das soll es einstweilen gewesen sein. Sollten mir noch weitere Gedanken kommen, nachdem ich den Rest des Wahlprogrammvorschlags gelesen habe, werde ich nicht zögern, diese hier zu veröffentlichen.