Von der Antifa und anderen Missverständnissen

Als Antwort auf den Blogpost unseren derzeitigen Landesvorsitzenden Cymaphore schrieb Bernd E. auf der #bwmist etwas, was mich zu einer Antwort zwang. Und da ich die Antwort gern nicht nur auf einer flüchtigen Mailingliste hätte, kommt also hier die Antwort:

Du zeigst mit dem Posting nur, dass du unter „Antifa“ etwas anderes verstehst als die Leute die sich über die AFA Fahnen aufregen.

Dies.

Und zwar nicht nur hier, sondern völlig im Herzen des Konfliktes.

Ich kanns echt nicht verstehen. Wirklich nicht.

Da hatten wir als Partei vor noch nicht ewig zurückliegender Zeit das Problem, dass aufgrund fehlender Strukturen jede*r Hinz oder Kunz, der was zu einer Pressevertretung sagte, als „Sprecher*in“ wahrgenommen wurde. Oder zumindest mit „Die Piratenpartei fordert…“ oder ähnlich in der Presse zitiert wurde.

Das fanden wir (zu Recht) ziemlich doof und haben uns (nicht nur deshalb) mehr Strukturen gegeben. Strukturen, die inzwischen meiner Meinung nach allerdings zu arg in die andere Richtung ausgeschlagen sind und wir tendenziell inzwischen zu viel auf solche teils eher belanglose Dinge wie Beauftragungen und offiziell verabschiedetes wortreiches Programm geben. Aber gut, das ist eine andere Baustelle.

Und jetzt? Was tun so einige, die das Problem „Fehlende Strukturen => Fehlende offizielle Aussagen“ eigentlich nur zu gut aus der eigenen Erfahrung kennen sollten? Richtig, Die Antifa[tm](c) wird erstmal über einen Kamm geschert und auf einige gewaltbereite Mitglieder*innen zusammenpauschalisiert. Großes Tennis, das.

Noch dazu – was haben wir uns über gefühlte Medienverschwörungen aufgeregt. Da wurde doch tatsächlich ne Zeitlang von allen Seiten nur über mehr oder weniger große Skandale geschrieben, statt sachlich orientiert unsere Inhalte zu analysieren und darüber zu berichten. Aber anstatt zu erkennen, dass die Medien halt gern Geschichten erzählen, weil Geschichten dafür sorgen, dass Zeitungen verkauft werden, wird das gern verbreitete Bild des Gewaltbereiten Antifa e.V. nichtmal ansatzweise hinterfragt.

Um es mal auf nen Punkt zu bringen: Die Antifa als feste Organisation gibt es genauso wenig wie irgendwie im Namen der Antifa Handelnde.

Das einzige, was Menschen eint, die unter der Antifa-Flagge handeln, ist – und das kommt jetzt für einige offensichtlich überraschend – der Antifaschismus. Nicht Steine werfen, Autos anzönden oder sonstige Gewalt gegen Dinge, auch kein ACAB oder „haut die Glatzen bis sie platzen“[1], sondern ANTIFASCHISMUS. Wörtlich: GEGEN FASCHISMUS. Nicht mehr, nicht weniger. Und so sehr ich es drehe und wende, ich kann daran nichts fhaslcse finden. Im Gegenteil erwarte ich eigentlich von jedem Mitglied dieser Partei, dass dies unwidersprochen bleibt. Das wurde ja auch oft genug in diversen Beschlüssen quer über alle Ebenen festgestellt, dass es durchaus als Grundwert bezeichnet werden kann.

Ich bin Antifaschist.

Ich bin Antifa.

Und weil wer A sagt, auch B sagen sollte, will ich grad noch ein wenig beim Rundumschlag weiter machen.

Was ich nämlich noch nicht verstehe, wie ein paar Menschen es schaffen, wochenlang (!) einerseits das sogenannte Flaggengate in ungeahnte Höhen zu empören und dann gleichzeitig der Partei vorzuwerfen, dass es offensichtlich ja nichts wichtigeres gibt. Srsly, wenn euch andere Themen wichtiger sind, dann KÜMMERT EUCH halt um diese anderen Themen, beackert sie. Recherchiert, ob auf Orts-, Kreis-, Landes-, Bundes-, Europaebene oder sonstwo entsprechende Entscheidungen anstehen. Macht Werbung dafür, schreibt von mir aus auch Anträge, überzeugt neue Menschen innerhalb und außerhalb der Partei. Aber versucht doch bitte nicht das Niveaulimbo und den Empörungshochsprung gleichzeitig zu gewinnen. Und das ist völlig ungeachtet davon, ob die derzeitige durchs Dorf getriebene Sau „Antifa-Fahne“ oder „Frauenquote“ oder sonstwie heißt.

Ich bin Mitte 2009 auch nicht „wegen“ Antifaschismus oder Geschlechtergerechtigkeit und allem, was da so mit dranhängt, der Partei beigetreten. Und ehrlich gesagt hatte ich damals so manchen Aspekt auch nicht sooo auf dem Schirm. Aber ich hab mich politisch weitergebildet und stellenweise auch meine Meinung geändert. Inzwischen denke ich, dass gerade diese beiden Themen eigentlich so selbstverständlich sein sollten, dass der andauernde innerparteiliche Kampf nicht stattfinden dürfte, weil es schlicht keine Gegenstimmen geben sollte, außer eventuell in Detailfragen. Dass ich mich nicht so sehr um die ominösen Kernthemen[2] kümmere, wie ich könnte[3], liegt also ganz alleine daran, dass ich meine Kraft derzeit (leider) auch gut bei der innerparteilichen Bildung aufgehoben sehe. Und das find ich persönlich auch schade, aber das zu ändern, liegt leider nur sehr indirekt in meiner Macht.

[1] No offense, mein lieber @Fussfall *g*. (nach oben)

[2] Ich als Betreiber und Programmierer von hnwatch.de und damit seit knapp 2 Jahren konstanter Beobachter der Heilbronner Kommunalpolitik nehm mir einfach mal das Recht raus, mich als aktiven Transpenz- und damit Kernthemen-Verfechter zu bezeichnen. (nach oben)

[3] Ja, in meiner hnwatch.de-To-Do-Liste stehen einige spannende Dinge, zu denen ich schlicht bisher noch nicht gekommen bin. (nach oben)

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4 Kommentare zu „Von der Antifa und anderen Missverständnissen“

  1. […] Blog-Posts über die “Antifa” veröffentlicht. Andere argumentieren, dass jeder der antifaschistisch organisiert ist der Antifa angehört. Ich finde aber, das keine davon den Gefühlen derer, die diese Symbole bei den Piraten ablehnen, […]

  2. Bernd sagt:

    Das siehst du zu einfach. Nur weil es keine offizielle Organisation gibt oder keine offizielle Aussage heisst das noch lange nicht dass eine Gruppierung keine Tendenz hat (und Ihre Symbole keine Bedeutung).

    Genausowenig wie sich die Piraten herausreden können „das ist keine offizielle Aussage“ können sich auch schwarze und vermummte Teilnehmer die sich „rein zufällig“ hinter einer Antifa Fahne sammeln nicht darauf herausreden nicht wenigstens zu tolerieren wenn Muskelspiel mit Sachbeschädigung in Ihrem Namen betrieben wird.

    kann man dennoch eine Gruppierung daraufhin einschätz

  3. Nivatius sagt:

    danke :3

  4. […] Leute Unterschiedliches unter “Antifa” verstehen, schreibt elzoido nochmal auf, warum er die ganze Aufregung nicht nachvollziehen kann. Da möchte ich doch mal versuchen […]

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