Archiv für Mai 2010

Gott – Eine Blasphemie

Sonntag, 30. Mai 2010

[Dieser Eintrag ist im Wesentlichen ein leicht überarbeiteter Repost eines meiner Beiträge aus dem alten elBloggo und die Fortsetzung von „Ein Gedankenexperiment„, „Newton, Licht, Quanten und billardspielende Roboter“ und „Das Gehirn„]

Was ist Gott? Woher kommt Gott? Warum ist Gott? Und was zum Teufel hat die Kirche damit zu tun?

Gott war seit seiner Erfindung durch die Menschen schon immer die Erklärung für alles, was man mit konventionellen Mitteln nicht erklären konnte. Sei es nun eine schlechte Ernte, weil jemand „gesündigt“ hat oder sei es etwas aus heutiger Sicht eher Triviales wie ein Blitz, den ein Donnergott aus Wut auf die Erde geschleudert hat. Auch die Entstehung der Erde und des Lebens auf ihr wurde mangels anderer Theorien ebendiesem Wesen „Gott“ zugeschrieben: Die unsägliche Kreationismusdiskussion hat glücklicherweise unsere Breitengrade noch nicht in dem Ausmaß erreicht, wie die USA, aber ich befürchte, dass es mit zunehmender Verdummung der Menschen und Politiker durch Privatfernsehen, Zeitungen mit GROßEN BUCHSTABEN und nichtexistentem echtem Journalismus auch hierzulande nur eine Frage der Zeit sein wird, bis Fundamentalchristen fordern, im Wesentlichen ein Märchen als Alternative zu Wissenschaft zu lehren.

Nun entstand aber durch die Aufklärung der Menschheit Wissen. Viel Wissen. Zu Zeiten Newtons (was menschheitsgeschichtlich betrachtet nun wirklich nicht lange her ist) noch war die Wissenschaft mehr oder weniger intuitiv und allgemeinverständlich. Actio gleich Reactio ist ein Prinzip, was man problemlos auch weniger intelligenten Zeitgenossen vermitteln kann und auch einfache Bewegungs- und Beschleunigungsgleichungen sind im Wesentlichen intuitiv durch unsere Reflexe abgebildet (wohlgemerkt rede ich hier und im Folgenden immer vom Prinzip, also der Essenz, die dahintersteckt und nicht unbedingt von mehr oder weniger komplexem Formelwerk, was sich die Physiker begleitend dazu ausgedacht haben).

Nur war eben auch klar, dass das letzte Wort mit Newton noch nicht gesprochen war. Solche auch damals schon im Alltag wichtigen Themen wie Wetter oder Biologie entzogen sich (noch!?) den Naturwissenschaften, hier konnte man noch einen Gott „gebrauchen“, der einem eine gute Ernte bescherte.

Mit fortschreitender Wissenschaft wurde allerdings nach und nach eine Mauer nach der anderen eingerissen, plötzlich verstanden wir, wie Vererbung funktioniert. Auch das Wetter hat irgendwo auf dem Weg seine Unbegreiflichkeit verloren. Wenn wir auch heutzutage noch weit davon entfernt sind, eine 100%ige Wettervorhersage zu liefern, liegt das nicht etwa am prinzipiellen Unverständnis, sondern eher an mangelnden Meßmethoden und ungenauen Modellen alleine schon aufgrund der gigantischen Komplexität.

Auch innermenschliche Vorgänge (bis hin zu höheren Hirnfunktionen) sind heutzutage physikalisch, chemisch und biologisch erklärbar. Die von der Gesellschaft als verhaltensauffällig erklärete Kinder, denen Ritalin oder ähnliches verabreicht wird, sind hier das lebende Beispiel, dass auch Persönlichkeitsstörungen (so es denn welche sind) durch den gezielten Einsatz von Chemikalien „heilbar“ sind.

Und wo bleibt nun Gott?

Ich behaupte nun einfach mal, dass wir das Universum in einem gewissen Größenordnungsbereich verstanden haben und prinzipiell deterministisch nachvollziehen können. Dieser Bereich fängt auf der atomaren Ebene an und endet auf globaler Ebene, die Bewegungen unseres Sonnensystems gehören auch noch dazu, aber vom Verstehen eines Sonnensystems auf das Verstehen aller zu schliessen, ist in meinen Augen ein ungültiger Schluß.

Bleiben für Gott also noch zwei möegliche „Nischen“: Entweder auf der gigantischen Ebene, also quasi in der Unendlichkeit des Universums oder auf der uns bekannten kleinsten Ebene, dem Quantenlevel. Ich persönlich halte beide Ebenen für falsch (und spreche somit quasi Gott seine Existenz ab), was mich aber nicht davon abhalten soll, sie trotzdem im nächsten Teil dieser kleinen Serie weiterzubeleuchten. Dann werde ich mich (jedenfalls nach meinem groben mentalen Plan) auch endlich um die Kirche, menschliche Arroganz und der Sinnlosigkeit des Daseins widmen.

Noch ein kleiner Nachtrag: Wohlgemerkt basieren meine Überlegungen darauf, dass Gott in einem System des Determinismus nichts verloren hat. Das kann man so sehen, muss man aber nicht – es wäre das erste Mal, dass sich Gläubige durch so etwas Weltliches wie Argumente von ihrem Glauben abbringen lassen.