Archiv für März 2010

Das Gehirn

Samstag, 13. März 2010

[Dieser Eintrag ist im Wesentlichen ein leicht überarbeiteter Repost eines meiner Beiträge aus dem alten elBloggo und die Fortsetzung von „Ein Gedankenexperiment“ und  „Newton, Licht, Quanten und billardspielende Roboter„]

Heute wollen wir uns hauptsächlich mit einer Frage beschäftigen: Wie funktioniert ein (menschliches) Gehirn?

Unbestritten ist das Gehirn ein hochkomplexer Gegenstand. Nicht nur sorgt es für „selbstverständliche“ Dinge wie Atmung und Herzschlag, es spendet uns auch (jedenfalls nach gegenwärtigem Stand der Wissenschaft) ein Bewusstsein, ein Gedächtnis, bewegt unsere Gliedmaßen und viel mehr. Ach ja, komplexe Mathematik und Physik kann es – so ganz nebenbei – auch, quasi ohne groß nachzudenken (man möge mir den Wortwitz verzeihen). Wer schonmal einen Ball gefangen hat und kurz darüber nachdenkt, dass alleine damit gewisse Berechnungen einhergehen müssen, wird mir da problemlos zustimmen.

Unser Gehirn besteht aus, wie sollte es auch anders sein, Gehirnzellen, genauer Nervenzellen. Man schätzt, dass ein normales Gehirn aus vielen Milliarden von Nervenzellen besteht (laut Wikipedia irgendwas zwischen 100 Milliarden und 1 Billion Stück). Zum (kruden) Vergleich: Heutige Prozessoren besitzen Transistoren in der Größenordnung von 1 Milliarde.  Die Komplexität des Gehirns ergibt sich dabei aus der Vernetzung dieser Zellen, Gehirnaktivität sind dabei elektrische Impulse, die zwischen den Zellen ausgetauscht werden. Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass gewisse Bereiche des Gehirns tendenziell eher für gewisse Tätigkeiten zuständig sind, aber man ist weit davon entfernt zu verstehen, was in einem Gehirn passiert, genauso wie man auch schwerlich durch bloßes Betrachten eines Speicherbereiches im Computer auf den Speicherbereich in der Zukunft schliessen kann.

Nun ist das Gehirn, wenn man es auf zellularer Ebene betrachtet, zwar durchaus sehr komplex (und vermutlich zu komplex, als dass je ein anderes Gehirn der selben Größenordnung seine Funktionsfähigkeit komplett verstehen kann), aber alles andere als eine nichtdeterministische Maschine. Der Stand der Neurobiologie ist, dass alle Prozesse im Gehirn deterministisch sind, wenn man einen Gehirnzustand komplett erfasst hat, kann man (rein theoretisch) den nächsten Zustand daraus berechnen.

Nun haben wir ein Problem. Mit der Behauptung, dass das Gehirn streng deterministisch agiert, fällt quasi auch instantan unsere Überzeugung, so etwas wie einen freien Willen zu besitzen.

Was tun? Die Physiker haben eine Antwort darauf: Die Kopenhagener Deutung der Quantenphysik. Mit der Bohmschen Mechanik ist die Sache relativ klar, es existiert kein Zufall, also ist an dieser Stelle auch kein Platz für freien Willen. Die Viele-Welten-Theorie ist, wie so oft, ein Mittelding – im Endeffekt läuft sie aber auch auf die Nichtanwesenheit eines freien Willens heraus, da wir keinen Einfluss darauf haben, in welcher Welt wir „gelandet“ sind. Meiner Meinung nach ist das einer der beiden Hauptgründe, warum viele Physiker ohne konkrete Anhaltspunkte an den Zufall im tiefsten Innern unserer Atome glauben. Der andere Grund ist Gott, aber das spar ich mir für einen weiteren Blogeintrag auf. Man konstruiert sich also quasi einen Einfluss der Quantenmechanik auf die Gehirnaktivitäten und sucht das, was wir als freien Willen empfinden genau dort.

Nur leider stört nicht nur mich daran mindestens eine fundamentale Überlegung: Nehmen wir entgegen der physikalischen, chemischen und neurobiologischen Erkenntnisse an, dass quantenmechanische Verhaltensweisen einen Einfluss auf Gehirnzellen haben, die immerhin jeweils aus grob 100.000.000.000.000 (1014) Atomen bestehen. Wie genau soll nun das Gehirn als Bewusstseinsquelle Einfluss auf diesen, laut Kopenhagener Deutung, subatomaren Zufall haben? Wenn das Gehirn das kann, warum gelingt es dann unseren kompliziertesten Meßaufbauten nichtmal ansatzweise?

Die andere Hauptfrage, die ich an dieser Stelle fragen muss, ist: Warum glauben so viele Menschen wegen überwältigender wissenschaftlicher Beobachtungen an so etwas wie Evolution, aber im quasi gleichen Atemzug lehnen gefühlt mindestens genausoviele Menschen die Nichtanwesenheit des freien Willens trotz ebenso überwältigender wissenschaftlicher Beobachtungen ab?

Liebe Blogleser, jetzt seid ihr gefragt: Glaubt ihr (noch) an euren freien Willen? Habt ihr euch vor dem Lesen dieses Blogeintrages schonmal darüber tiefergehende Gedanken gemacht?
Und denkt dran: Wenn ihr den freien Willen verteidigt, dann nur, weil ihr nicht anders könnt 😉

Zwischendurch eine kleine Lobhudelei für die Free! Music! Week!: Ey Lou Flynn #37cc

Montag, 8. März 2010

Irgendwie schließt sich der Kreis ein wenig, die Musikpiraten haben mich auf den Künstler gebracht und nun benutze ich sie, um mit meinem leicht ungelenk anmutenden Review von Ey Lous Erstlingswerk wieder ein wenig platonische Liebe zurückzugeben. Tolles Ding, dieses Internet, nichtwahr?

Begonnen hat es, als ich im Herbst 2009 den Free! Music! Sampler! auf mein getreues Billig-MP3-Werbegeschenk-Abspielgerät holte. Anlass waren meine zarten ersten Überlegungen, mal wieder mit Freunden in Heidelberg ein kleines Festival namens „Rock im Feld“ zu veranstalten, nur diesmal, im Gegensatz zu früher, absolut GEMA-frei und komplett mit freier Musik. Ein Lied auf dem Sampler stach aus der Masse raus und blieb im Gehörgang kleben, das war das Laternenlied von Ey Lou Flynn. Als ich dann bei Jamendo weiter in die Richtung grub, stieß ich recht fix auf sein Album „Naja, ich hab mein Bestes gegeben“ und spätestens nach dem Afghanen im Opener Muuh! war ich am Haken.

Ehrenwort, gute Musik verdient Unterstützung, also hab ich das Album recht fix auch gekauft (inzwischen kann man es sich auch vom Maestro persönlich parfümiert schenken lassen) und selbstverständlich meinen Bekannten- und Verwandtenkreis auch aktiviert und dabei auch schon eine gute Handvoll neue Fans generiert.

Ey Lou Flynn beschreibt seine Musik als „Klingt wie platonische Liebe beim Seitensprung“. Das klang vor dem ersten Hören zwar schon irgendwie seltsam, danach fällt mir allerdings keine bessere Beschreibung ein. Liebe Leser (Ihr beiden da hinten im Eck, ihr seid gemeint!), wenn ihr einen Sinn für Humor habt, dann bleibt euch quasi gar nichts anderes übrig, als Ey Lou zu hören und Ey Lou zu lieben! Mehr kann und will ich über das Album und die diversen weiteren Songs hier gar nicht schreiben, da jeder Versuch meinerseits, die geballte Kreativität in Worte zu fassen, nur mir einer Horde heulender Kleinkinder enden kann.

Der Kreis schließt sich natürlich nicht so komplett, ich werde nach wie vor die neusten Eskapaden (wie zum Beispiel in letzter Zeit ein Behind-The-Scenes-Bericht des neusten Musikvideos) verfolgen, die neue Musik hören, die neuen Alben kaufen und in ein paar Jahren, wenn der Ey Lou Flynn das Münchener Olympiastadion füllt, stolz den jungen Dingern meine Erstauflage der ersten CD vorzeigen und mit verträumtem Blick von Früher[tm](c) erzählen.

Ey Lou Flynn – mach weiter so. Ich hätte gern soviel Kreativität und Sinn fürs Texten und Komponieren, wie du alleine vermutlich im kleinen Finger der linken Hand hast, das würd mir dann vermutlich schon absolut ausreichen.